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Leben mit Kindern – Steffen

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Mittlerweile haben wir bereits einige tolle Mamas zu ihrem Leben mit ihren Kindern interviewt. Es wird Zeit, dass sich auch mal ein Vater dazu gesellt. Und den haben wir gefunden: Steffen ist Vater eines kleinen Sohnes und lebt und arbeitet in Berlin. Wie das so ist, mit Kind in der Großstadt zu leben und warum er doch davon träumt, seinen Sohn auf dem Land großzuziehen, das hat er uns erzählt…

Lieber Steffen, erzähl uns doch mal kurz wer du bist und was du so machst.
Ich bin 30 Jahre alt und gebürtiger Hesse, der vor fast sechs Jahren aus einem kleinen Dorf in das große Berlin gezogen ist. Hier lernte ich meine Ehefrau kennen, mit der ich einen gemeinsamen Sohn habe. Beruflich arbeite ich als Gesundheits- und Krankenpfleger in Berlin und springe von Krankenhaus zu Krankenhaus. Dadurch, dass ich auf keiner festen Station beziehungsweise keinem festen Krankenhaus arbeite, bin ich privat viel flexibler und kann die Familienzeit besser planen.

Du bist auf dem Land aufgewachsen und lebst jetzt mit deiner Familie in Berlin. Welche Vorteile bietet das Stadtleben gegenüber dem Landleben?
Zuallererst sind es wohl die Jobs. Ich bin mit meinem Arbeitgeber mehr als zufrieden. Als Pfleger ist man leider in den meisten Bereichen an Schichtarbeit gebunden. Mein Arbeitgeber bietet mir jedoch mehr Möglichkeiten Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Meine Ehefrau ist zudem beruflich auch sehr an eine Stadt gebunden. Also erster Punkt für die Stadt. Dennoch überlegen wir irgendwann aufs Land zu ziehen. Was ich als besonders großen Vorteil ansehe, ist der gute Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Es ist einfach wunderbar in der Stadt nicht zwingend auf ein Auto angewiesen zu sein, einfacher kann Umweltschutz kaum sein. Wir wohnen schon etwas außerhalb, was manche Fahrten mit dem Fahrrad nicht ganz so einfach gestaltet aber der Nahverkehr ist super. Ebenso wie die Mobilität mag ich die große Auswahl an Möglichkeiten wie und woher man seine Lebensmittel besorgen kann. Sollte sich unser Sohn später für irgendeine Sportart, ein Musikinstrument oder andere Tätigkeiten entscheiden, stehen ihm in einer großen Stadt keine Hindernisse im Weg. In meiner Jugend gab es überwiegen nur einen Fußballverein oder einen Handballverein, da hat die Stadt natürlich mehr zu bieten.

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Dennoch überlegt ihr aufs Land zu ziehen. Warum?
Es ist einfach ruhiger. Diese ständige Hektik und der Lärm überall können schon sehr an den Nerven zerren. Mit Kind merkt man erst wieder wie schön Ruhe sein kann. Tür auf, Kind raus. Das geht in der Stadt leider selten. Meine eigene Kindheit auf dem Land war wunderschön und ich wünsche mir das für mein Kind auch. Wir brauchten keine eingezäunten Spielplätze, denn das ganze Dorf mit umliegenden Feldern, Wiesen, Wäldern und dem Fluss war unser Spielplatz. Kindheit ist auf dem Land unbeschwerter, als junger Erwachsener mag es wieder anders sein aber da musste ich damals auch durch und wir kamen immer überall hin, wo wir hinwollten, auch ohne Nahverkehr. Positiv ist noch die Tatsache dem Konsumstrudel zu entrinnen. Was ich oben mit den Lebensmitteln noch als gut erachtet habe, kann ebenso ein Nachteil der Stadt sein. In der Stadt wird man zwangsläufig an jeder Ecke zum Kauf angeregt. Ob es nur ein Kaffee mit Freunden ist oder der Elektronikmarkt mit neuen Schnäppchen, überall herrscht Konsum.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich und wie setzt du das in deinem Familienleben um?
Für mich persönlich bedeutet Nachhaltigkeit nachfolgenden Generationen ein Leben auf diesem Planeten zu ermöglichen und die Erde nicht völlig auszubeuten bis kein Leben mehr möglich ist. Nachhaltigkeit hat für mich also viel mit Naturschutz zu tun. Was wir in unserer Familie schon länger umsetzten ist, dass wir möglichst auf Plastik verzichten. Angefangen bei Flaschen, bis hin zum Kinderspielzeug. Wir trinken Leitungswasser und für unterwegs fülle ich das Wasser in eine Glasflasche. Muss ich mir doch mal was unterwegs besorgen, dann nur aus Mehrwegflaschen. Zum Einkaufen nehme ich immer einen Rucksack und Beutel mit. Mittlerweile bekomme ich schon ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich aus irgendwelchen Gründen doch mal eine Plastiktüte benutzen muss. Kinderspielzeug kaufen wir überwiegend aus Holz. Das wenige Plastikspielzeug das wir besitzen kommt überwiegend aus unser eigenen Kindheit und wurde vererbt. Etwas nachlässig sind wir noch bei der Kinderkleidung, wobei ein großer Teil schon Second-Hand ist, aber oft schaffen wir es dann doch nicht im Laden an den schicken Sachen vorbei zu laufen. Lebensmittel kaufen wir, wenn es möglich ist, regional. Wobei es nicht immer Bio sein muss. In unserem nächstgelegenen Lebensmittelmarkt gibt es Bioäpfel aus Neuseeland und das ist dann absoluter Quatsch. In diesem Fall nehme ich lieber den Apfel aus der Region, auch wenn er nicht Bio ist.

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Was möchtest du in Bezug auf nachhaltigen Lebensstil in Zukunft gerne persönlich noch umsetzen?
Da wären wir beim Thema Wohnen. Mein persönlicher Traum ist es, einmal ein Energie autarkes Haus zu besitzen. Mit Photovoltaik und Elektroauto. Am liebsten wäre mir dann wirklich gar keine Energie zukaufen zu müssen. Obst und Gemüse wächst dann selbstverständlich im eigenem Garten. Soviel zum Traum. Meine Meinung ist, dass es wirklich sehr schwer ist komplett nachhaltig zu sein, aber jeder kann sich eines oder mehrere Gebiete aussuchen auf das großes Augenmerk gelegt wird. Bei mir ist es die Müllreduzierung und eine umweltfreundliche Fortbewegung.

Was sind deine Empfehlungen für ein nachhaltiges Leben mit Kindern?
Second-Hand Läden. Ob Kleidung, Spielsachen oder Bücher. Es muss nicht alles neu gekauft werden. Wir sind mit unserem Sohn beispielsweise oft in der Bibliothek und leihen dort für ihn Bücher. Neigt sich die Leihfrist dem Ende hat das Kind oft kein Interesse mehr am Buch und freut sich wieder auf ein Neues. Am wichtigsten wird aber wohl sein, den Kindern selbst ein Gefühl von Nachhaltigkeit zu vermitteln. Denn nur wenn die Kinder unser Handeln verstehen, hat unsere eigene Nachhaltigkeit einen Sinn.

Was waren deine bisher schönsten Papa-Momente?
Ich lasse die Schwangerschaft mal außer Acht und beschränke mich auf das geborene Kind. Da fing es schon beim Durchtrennen der Nabelschnur an. Was für ein tolles Gefühl! Das empfehle ich unbedingt jedem Vater zu tun. Ehrlich gesagt, finde ich alles außer Trotzphasen wunderbar. Unser Sohn schläft mit 1,5 Jahren noch bei uns im Bett. Ich genieße es immer noch sehr gemeinsam mit ihm im Bett zu kuscheln und ihm beim Schlafen anzusehen. Auf einzelne Momente kann das Papasein nicht reduziert werden, es ist jeden Tag faszinierend die Weiterentwicklung zu beobachten und zu sehen wie er immer selbstständiger wird. Der schönste Papa-Moment ist Papa zu sein.

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Und was ist das Anstrengendste am Papasein?
Der Spagat zwischen guter Hausmann, Vater, Ehemann und Arbeitnehmer. Ich finde Männer müssen heute wie die Frau auch in vielen Rollen funktionieren. Gleich nach dem Feierabend in die Vaterrolle zu schlüpfen ist oft nicht einfach, aber eigentlich nur eine Gewohnheitssache.

Was wünschst du dir für deine Zukunft? Und für die Zukunft deines Sohnes?
Für meine eigene private Zukunft wünsche ich mir gar nicht so viel. Ich habe einen sicheren Job, Frau und Kind – also kann ich sehr glücklich sein. Unsere Familienplanung sieht aber noch ein zweites Kind vor, früher oder später. Ganz allgemein würde ich mir wünschen, dass die Menschen endlich mal den Klimawandel ernst nehmen würden und ein bisschen mehr an den Naturschutz als an sich selbst zu denken. Gerade Eltern sollten sich mehr um unseren Planeten sorgen, er ist schließlich die Zukunft ihrer Kinder. Für meinen Sohn wünsche ich mir endlich mal eine stabile Weltpolitik aber ich befürchte es wird in Zukunft noch mehr Konflikte durch Überbevölkerung und Hungersnöte geben. Bei dem Thema bin ich leider sehr pessimistisch. Ich wünsche mir einfach, dass er später auch ein stolzer Vater sein kann.

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Welche beiden Erkenntnisse aus deinem bisherigen Vatersein kannst du anderen Vätern weitergeben?
Unbedingt die Arbeitszeit reduzieren und die Arbeit erst nach der Familie kommen zu lassen. Schaut immer, dass es der Mutter eures Kindes gut geht, denn dann geht es euch auch gut.

Vielen Dank für das tolle Interview lieber Steffen! Wir wünschen dir und deiner Familie alles Gute und sind gespannt, wohin es euch in Zukunft verschlagen wird…

Wenn ihr auch auf dem Laufenden bleiben wollt, dann könnt ihr Steffen auf Instagram folgen.

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