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Hinter den Kulissen – Frau Ottilie

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Kennt ihr Frau Ottilie? Diese wunderschönen und detailreichen Illustrationen von Tieren und der Natur? Diese herzerwärmenden Spruchprints und ganze Schaubilder, die die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling zeigen? Frau Ottilie zeigt, wie kunterbunt unsere Welt ist und dass in ihr viele kleine Wunder stecken die es nur zu entdecken gilt. Andrea ist die Frau hinter diesen Bildern, sie lässt mit Hilfe ihres Aquarellkastens all diese sympathischen Figuren entstehen…

Liebe Andrea, du hast Ethnologie studiert. Wie kommt es, dass du einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen und Frau Ottilie gegründet hast?
Es war nie mein Plan, ein eigenes Designlabel zu gründen. Frau Ottilie ist eigentlich eher zufällig entstanden :). Um etwas Geld während meines Studiums zu verdienen und weil mir kreatives Arbeiten schon immer Spaß gemacht hat, habe ich angefangen Stofftiere zu designen, zu nähen und zu verkaufen. Nach und nach kamen dann Illustrationen hinzu. Auch das war Zufall – ich habe eine Käferstudie illustriert und Sebastian – die zweite Hälfte von Frau Ottilie – fand sie so toll, dass er mich überredet hat, sie auf Postkarten drucken zu lassen. Den Leuten haben meine Karten so gut gefallen, dass ich mehr Motive gestaltet habe und schließlich zusammen mit Sebastian das Sortiment der Papierprodukte ausgebaut habe. Als ich den Uniabschluss in der Tasche hatte war Frau Ottilie bereits so groß, dass ich unbedingt weitermachen wollte und dann auch die Zeit dafür da war, es ernsthaft zu betreiben.

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Weißt du noch, was deine erste verkaufte Illustration war?
Ja klar, das war Maikäfer Manfred auf einer Postkarte – damals noch mit meinem eigenen Drucken ausgedruckt und von Hand ausgeschnitten :)

Was für eine Geschichte steht hinter dem Namen Frau Ottilie?
Ottilie ist der Name meiner verstorbenen Großmutter, die eine wunderbare Frau war. Ich habe als Kinder und auch später noch viel Zeit mit ihr verbracht und sie hat mir unter anderem das Nähen beigebracht. Da meine ersten Arbeiten selbst genähte Stofftiere waren und dadurch eine Verbindung zu ihr entstand, habe ich das Label nach ihr benannt.

Woher nimmst du deine Inspiration für deine Motive?
Meine Illustrationen beinhalten zu einem großen Teil Motive aus der Natur – dafür lasse ich mich vor allem von Spaziergängen durch Wald und Wiesen und Reisen an die unterschiedlichsten Orte dieser Welt inspirieren. Es ist wunderbar, was man alles entdecken kann, wenn man genau hinschaut und die Details am Wegesrand betrachtet. Daneben sind auch immer wieder Situationen aus dem alltäglichen Leben oder Beziehungen und Erlebtes zu und mit anderen Menschen Inspiration für meine Arbeiten.

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Du arbeitest gemeinsam mit deinem Freund Sebastian. Wie organisiert ihr die Arbeit – gibt es klar abgegrenzte Aufgabenbereiche?
Ja, ich denke schon. Wir ergänzen uns sehr gut in unseren Kompetenzen – ich bin der kreative Kopf unseres Unternehmens – designe und entwerfe Motive, entwickle neue Produkte oder Verkaufs- und Messestände. Sebastian ist der Stratege – er kümmert sich um das Marketing, den Ein- und Verkauf und erledigt einen großen Teil der Bürokratiearbeit, denn hinter den bunten Illustrationen steckt ein riesiger Berg Papierarbeit die es in sich hat. Diese Aufgabenteilung macht uns als Team sehr effektiv, aber natürlich verschwimmen diese Grenzen in einem Zwei-Personen-Unternehmen auch immer wieder. Wir beeinflussen uns gegenseitig und beratschlagen uns oft, wenn neue Herausforderungen für einen von uns auftauchen.

Das Sprichwort „Ich bin selbst und ständig“ sagt einiges aus. Ist es schwer für Dich, Beruf und Privatleben zu trennen?
Irgendwie schon, ja. Ich denke ich kann Frau Ottilie nicht vollständig aus meinem Privatleben fern halten – es tauchen oft Gedanken und Ideen in Bezug auf Frau Ottilie auf – das kann ich gar nicht abschalten. Das kenne ich aber schon aus meinem Studium und das heißt auch nicht, dass ich den Kopf nie richtig frei habe – vor allem wenn ich in den Urlaub fahre oder Familie oder Freunde außerhalb von Mainz besuche, gelingt es mir leicht, solche Gedanken zur Seite schieben. Gleichzeitig fließt vieles aus meinem Privatleben in meine Arbeit mit ein. Ich glaube die Leute merken, dass unsere Motive und Produkte im Allgemeinen sehr persönlich sind. Das kann ich gar nicht verhindern – ich bringe mit dem Pinsel zu Papier was mich bewegt und berührt. Das ist der Grund dafür, dass mir meine Arbeit zu viel Spaß macht und das ist es irgendwie auch, was Frau Ottilie ausmacht.

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Welche Arbeitsschritte sind nötig, bis eine Illustration verkauft werden kann?
Zuerst einmal taucht eine Idee auf. Danach brauche ich einen mehr oder weniger aufgeräumten Schreibtisch, ein Blatt Aquarellpapier, Farbe und Muse. Wenn die Illustration fertig ist, wird sie am Computer noch feingeschliffen, das heißt freigestellt und manchmal auch zu einem komplexen Bild aus mehreren Ebenen zusammen gestellt – je nach Projekt. Diese Datei kommt in den Druck und wenn die Illustration dann als fertiges Produkt bei uns ist, wird sie fotografiert, denn wir brauchen schöne Produktfotos für unsere Onlineshops.

Warum sollen Kunden eure Produkte kaufen? Was macht Euch aus?
Wie schon gesagt, ich denke die Motive unserer Produkte sind sehr persönlich und stecken voller Emotionen, mit denen sich viele Leute identifizieren können. Ich konnte schon beobachten, dass unsere Prints die Menschen berühren – solche Momente sind besonders schön! Frau Ottilie ist im Allgemeinen sehr fröhlich und verspielt – mal laut in der Botschaft und mal leise und sensibel. Sie sollen an das Kind in uns Großen appellieren und auf die schönen Dinge im Leben aufmerksam machen. Das kann die Schönheit eines Käfers und der Natur im Allgemeinen sein, aber auch die Beziehung zu unserer Familie oder zu besonderen Freunden. Es ist toll, dass es uns mit unseren Illustrationen gelingt, Menschen zum Lächeln zu bringen!

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Und was ist der beste Aspekt der Selbstständigkeit?
Die damit einhergehende Freiheit! Es gibt zwar eine Handvoll wichtiger Termine im Jahr, zu denen bestimmte Produkte fertig sein müssen, aber abgesehen davon illustriere ich das, was mich gerade fasziniert oder beschäftigt. Auch die Richtung und Entwicklung des Unternehmens können wir in hohem Maße selbst bestimmen. Die eigenen Arbeitszeiten sowieso – das ist mir persönlich sehr wichtig, da es Tage gibt, an denen ich genau weiß, dass mir keine Illustration gelingen wird. Dann beschäftige ich mich mit etwas ganz Anderem und arbeite erst am nächsten Tag wieder.

Welchen Tipp kannst du anderen, die sich selbstständig machen möchten geben?
Mit dem Herzen, einem Haufen Energie und Tatendrang dabei zu sein! Meiner Erfahrung nach hilft es wenig, sich über theoretische Ziele und Konzepte zu lange den Kopf zu zerbrechen. Die Sache anzugehen, Fehler zu machen und dadurch Ideen weiter zu entwickeln ist wichtig für die Selbstständigkeit. Von Rückschlägen sollte man sich nicht entmutigen lassen – die gehören mit dazu! Durchhaltevermögen ist also auch wichtig. Es kann helfen ein Netzwerk von Leuten zu haben, die ähnliche Dinge machen wie man selbst um Informationen und Erfahrungen zu teilen. So bleibt einem vielleicht die ein oder andere Fehlentscheidung erspart.

Wo möchtest du in fünf Jahren mit deinem Label stehen?
Das kann ich gar nicht so genau sagen – ich bin niemand, der langfristige Pläne macht. Im Moment macht es mir viel Spaß Landkarten zu illustrieren und ich möchte dieses Jahr noch mit einem Buch beginnen. Generell reizt es mich, mehr lehrreiche Produkte zu entwickeln. Aber ich schätze die Komponente „Zufall“ – so hat schließlich auch alles angefangen – und möchte mich da gedanklich nicht zu sehr festlegen. Meistens kommt es am Ende doch anders als geplant und bisher war ich darüber immer froh :)

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 Vielen Dank für dieses Interview und den Blick hinter die Kulissen von Frau Ottilie!

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